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Kirsten TimmerPsychotherapie Bern & Online

Arbeitsweise

Verstehen und erfahren

Meine Arbeit verbindet zwei Bewegungen: das genaue, respektvolle Verstehen von Mustern und die Erfahrung, dass es im Kontakt auch anders gehen kann. Beides braucht einander.

Personenzentrierte Psychotherapie nach Carl Rogers

Die personenzentrierte Psychotherapie bildet die Grundlage meiner therapeutischen Haltung. Sie gehört zur humanistischen Psychologie und geht von einem Menschenbild aus, das den Menschen nicht in erster Linie über seine Schwierigkeiten, Symptome oder Diagnosen versteht, sondern als ein Wesen mit einer grundlegenden Fähigkeit zu Entwicklung, Selbstregulation und innerem Wachstum.

Für mich bedeutet das vor allem: Ich begegne nicht einem Problem, das gelöst werden muss, sondern einem Menschen mit seiner Geschichte, seinen Erfahrungen, seinen Schutzmustern und seinen eigenen Möglichkeiten.

Carl Rogers ging davon aus, dass Entwicklung besonders dort möglich wird, wo ein Mensch sich in einer Beziehung wirklich gesehen, verstanden und angenommen erleben kann. Empathisches Verstehen, Wertschätzung und Echtheit sind deshalb keine zusätzlichen „Techniken“, sondern bilden den Kern der therapeutischen Beziehung.

Diese Haltung prägt meine Arbeit bis heute.

Dabei bedeutet wertschätzende Annahme für mich nicht, alles gutzuheissen oder Schwieriges auszublenden. Vielmehr entsteht ein Raum, in dem auch widersprüchliche Gefühle, Scham, Rückzug, Wut, Unsicherheit oder Seiten von uns, die wir selbst vielleicht lange abgelehnt haben, angeschaut werden können, ohne dass der Mensch als Ganzes darauf reduziert wird.

Genau darin verbindet sich die personenzentrierte Haltung für mich sehr stimmig mit meiner Arbeit mit NARM®: Beide Zugänge interessieren sich nicht nur dafür, was „nicht funktioniert“, sondern dafür, was einem Menschen geholfen hat, sich an seine Lebensbedingungen anzupassen und was heute wieder mehr Freiheit, Verbundenheit und Lebendigkeit ermöglichen kann.

Die personenzentrierte Haltung ist deshalb für mich weniger eine Methode, die ich anwende, als eine Grundlage dafür, wie ich einem Menschen begegne.

NeuroAffective Relational Model (NARM®)

Das NeuroAffective Relational Model (NARM®) wurde von Dr. Laurence Heller für die Arbeit mit Entwicklungstrauma und den langfristigen Folgen früher Bindungs- und Beziehungserfahrungen entwickelt.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht in erster Linie die Frage, was damals geschehen ist, sondern wie frühe Erfahrungen unser heutiges Erleben prägen:

  • wie wir mit Nähe und Distanz umgehen,
  • wie wir unsere Bedürfnisse wahrnehmen,
  • wie wir Grenzen setzen,
  • wie wir mit Gefühlen umgehen,
  • und welchen Zugang wir zu uns und zu anderen haben.

Ein zentraler Gedanke von NARM® ist, dass viele Muster, unter denen wir später leiden, einmal intelligente Anpassungen waren. Als Kinder sind wir auf Beziehung angewiesen. Wenn bestimmte Bedürfnisse, Gefühle oder Seiten unseres Selbstausdrucks in unseren frühen Beziehungen wenig Raum finden, passen wir uns an. Wir lernen beispielsweise, Bedürfnisse zurückzustellen, uns stark zu kontrollieren, uns anzupassen, uns zurückzuziehen oder den Kontakt zu bestimmten Gefühlen und Impulsen zu begrenzen.

Diese Strategien entstehen nicht, weil mit einem Kind etwas nicht stimmt. Sie helfen ihm vielmehr, mit den Bedingungen zurechtzukommen, die ihm zur Verfügung stehen.

Was einmal geschützt hat, kann uns später jedoch einengen.

In der therapeutischen Arbeit geht es deshalb nicht darum, diese Muster zu bekämpfen oder „wegzumachen". Wir versuchen zu verstehen, wofür sie einmal notwendig waren und wie sie heute noch wirken. Dadurch kann allmählich mehr Wahl entstehen:

  • Muss ich mich in dieser Situation wirklich zurückziehen?
  • Muss ich mich anpassen?
  • Darf ich eine Grenze setzen?
  • Kann ich in Verbundenheit bleiben und gleichzeitig mich selbst sein?

Mich berührt am NARM® Ansatz besonders die Annahme, dass auch unter sehr frühen Schutz- und Anpassungsmustern der menschliche Impuls nach Verbundenheit, Entwicklung und Lebendigkeit erhalten bleibt.

Therapie kann deshalb auch bedeuten, wieder stärker mit dem in Verbindung zu kommen, was in uns lebendig, authentisch und ursprünglich angelegt ist.

Scham und Selbstabwertung

Ein wichtiges Thema in der Arbeit mit Entwicklungstrauma ist Scham.

Kinder entwickeln ihr Bild von sich selbst wesentlich in Beziehung. Wenn zentrale Bedürfnisse, Gefühle oder Seiten ihres Selbstausdrucks wiederholt nicht willkommen sind, kann daraus nicht nur die Erfahrung entstehen: „Das, was ich brauche oder fühle, hat hier keinen Platz.“ Sehr schnell kann daraus werden: „Mit mir stimmt etwas nicht.“

Diese Form von Selbstbeschämung kann zu einer tief verankerten Identifikation werden, d.h. wir glauben dann ganz tief, dass mit uns oder unseren Gefühlen, unseren Bedürfnissen, unserer Lebendigkeit und unserem Wollen etwas nicht stimmt.

Später zeigt sich dies beispielsweise in starker Selbstkritik, Perfektionismus, Anpassung, dem Gefühl, zu viel oder nicht genug zu sein, Schwierigkeiten mit eigenen Bedürfnissen oder einer tiefen Unsicherheit darüber, ob man so, wie man ist, wirklich willkommen ist.

Auch hier geht es mir nicht darum, Scham einfach loszuwerden. Vielmehr können wir verstehen, wie sie entstanden ist und wovor sie geschützt hat und Schritt für Schritt die Erfahrung ermöglichen, sich mit den eigenen Bedürfnissen, Gefühlen, Grenzen und der eigenen Lebendigkeit wieder weniger falsch zu fühlen.

So kann etwas, das lange von Selbstkritik oder Anpassung bestimmt war, wieder beweglicher werden und mehr Raum entstehen, sich selbst zu leben und gleichzeitig in Beziehung zu bleiben.

Menschen in einer gemeinsamen, aufmerksamen Runde

„In jedem von uns gibt es auf der tiefsten Ebene einen Impuls in Richtung Verbundenheit."

— Dr. Laurence Heller

Entwicklungstrauma und Beziehung

Muster, die früh entstanden sind

Entwicklungstrauma entsteht nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern durch das, was über längere Zeit fehlte oder zu viel war.

Kinder passen sich an, um in Verbindung zu bleiben und sich sicher zu fühlen. Das heisst, sie trennen sich von Teilen ihrer authentischen Lebensenergie und ihres Selbstausdrucks. Sie lernen, welche Gefühle willkommen sind und welche nicht, wie viel Nähe möglich ist, wie viel Eigenwille tragbar ist. Diese früh erlernten Bewegungen wirken oft lange weiter, in Partnerschaften, in der Arbeit, in der Elternschaft, im Verhältnis zu sich selbst.

In der Therapie schauen wir gemeinsam, wo solche Muster heute noch am Werk sind und wo darin auch generationsübergreifende Themen weitergegeben wurden. Nicht um Schuldige zu finden, sondern um eine Kette zu unterbrechen.

Präsenz als Teil therapeutischer Arbeit

Die Arbeit im Hier und Jetzt

Ich bringe nicht nur Methoden und Wissen mit, sondern fast drei Jahrzehnte Berufserfahrung, viel eigene innere Arbeit und eine über Jahre gewachsene Fähigkeit, in Beziehung zu bleiben, auch bei komplexen emotionalen Prozessen.

Diese Qualität von Präsenz lässt sich schwer messen und noch schwerer bewerben. Ich beschreibe sie am ehesten so: Es entsteht ein Raum, der klar, ruhig und ausgerichtet ist. In einem solchen Raum wird manches spürbar, was sich vorher nicht zeigen konnte.

Das ist kein Versprechen und keine Technik. Es ist die Art, wie ich arbeite und der Grund, warum Veränderung in der Therapie oft nicht dort beginnt, wo wir sie erklären, sondern dort, wo wir sie erfahren.

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